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Kindeswohl - Kinderschutz - Kindernotfall

Muss ein Kind erst in den Brunnen fallen, um geschützt zu werden ? Kindeswohl - Kinderschutz - Kindernotfall: Wie hinter einer falschen Terminologie das Eigentliche verschwindet !

Leiter und Leiterinnen der freien und kommunalen Erziehungs- und Familienberatungsstellen

Anläßlich ihrer Tagung am 20.4.2007 im SOS-Familienzentrum Berlin stellen die Berliner Erziehungs- und Familienberatungsstellen ihre umfangreiche Arbeit im Kinderschutz heraus.

Um es aber vorab noch einmal in seiner Schlichtheit in Erinnerung zu bringen: Das Wohlergehen unserer Kinder liegt uns allen am Herzen, Kinder "sind Zukunft". Kinder sind sowohl eine familiäre "Privatangelegenheit" als auch eine gesellschaftliche Aufgabe. Es soll Ihnen allen gut gehen, egal, woher sie stammen.

Altersentsprechend schützen wir Kinder. Vor Krankheit, schmerzhaften Verletzungen und Angst. So gut es irgend geht.
Sie erfolgreich beschützen und sie gleichzeitig gut lernen lassen, nennt man anschließend eine gelungene Erziehung.

Die Not eines Kindes hebt dies alles auf. Im Notfall geht es einem Kind nicht mehr gut, es wurde nicht beschützt und erlebt jetzt Krankheit, Schmerz und Angst - und manchmal auch den Tod.

Die aktuellen öffentlichen Debatten um Kinderschutz lassen das eigentlich Wichtige hinter den berichteten schrecklichen Ereignissen verschwinden: Kinderschutz ist die Verhinderung des Notfalls. Kinderschutz beginnt nicht nach dem Notfall. Erfolgreicher Kinderschutz ist präventiv und damit zugleich ständig in Gefahr, in seiner alltäglichen Unauffälligkeit nicht mehr wahrgenommen zu werden. Eigentlicher Kinderschutz ist das, was Mütter und Väter, Erzieherinnen und Lehrer tagtäglich ganz selbstverständlich leisten.
Über das Selbstverständliche redet dann auch keiner mehr.
Wertschätzung dafür ist ohnehin selten genug, öffentliche Wertschätzung kein Thema. Manchmal brauchen Familien, Eltern und Lehrerinnen Unterstützung in ihren Erziehungen. Sie haben Fragen, erleben Unsicherheiten und Krisen.
In Erziehungs- und Familienberatungsstellen und den daran angeschlossenen Projekten finden sie Antworten und Unterstützungen, sie selbst oder ihre Familien können rechtzeitig und unkompliziert zur Beratung kommen, die Stellen liegen in Reichweite.

Ihr eigenes oder das ihnen anvertraute Kind soll erst gar nicht "in den Brunnen fallen".

Beratungsstellen leisten ihre Arbeit ebenfalls im überwiegend unspektakulären Bereich der ohnehin schon relativ unsichtbaren weil selbstverständlichen Erziehung von Kindern. Sie helfen, Kinder zu beschützen. Auch Sie sind Kinderschutz.
Dies als ein zentrales Merkmal der Berliner Erziehungsberatung deutlich werden zu lassen ist u.a. Anliegen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Ihre nachhaltige Nützlichkeit steht im direkten Zusammenhang zur Unauffälligkeit der geleisteten Arbeit.
Jeder Autofahrer weiß, dass späte oder aus Sparsamkeit verschleppte Reparaturen grundsätzlich immer teurer sind. An der fürsorglichen Erziehung von Kindern kann man nicht sparen, ohne dass es auf einige von ihnen grausam zurückschlägt.

Warum muss immer erst der Schrecken des kindlichen Notfalls Öffentlichkeit provozieren ?

Leiter und Leiterinnen der freien und kommunalen Erziehungs- und Familienberatungsstellen, Berlin den 20.04.2007


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