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Gestörte Aufmerksamkeit, Überaktivität
Aufmerksamkeitsdefizitstörung ADS, mit Hyperkinetischer Störung ADHS)
Ob der Philipp heute still
wohl bei Tische sitzen will?
Also sprach in ernstem Ton
der Papa zu seinem Sohn,
und die Mutter blickte stumm
auf dem ganzen Tisch herum.
Doch der Philipp hörte nicht,
was zu ihm der Vater spricht.
Er gaukelt
und schaukelt,
er trappelt
und zappelt
auf dem Stuhle hin und her
"Philipp, das mißfällt mir sehr!"
Fast jeder kennt diesen Vers aus dem Struwwelpeter. Familien, in denen ein
Kind als extrem unruhig auffällt, werden sich nur mit Kummer an die Verse
erinnern. Solche Familien benötigen professionelle Hilfe.
Was ist damit gemeint?
Nun, ADS steht für Aufmerksamkeitdefizitstörung, und wenn diese
einhergeht mit extremer motorischer Unruhe (Hyperkinetische Störung, HKS)
spricht man von ADHS, Aufmerksamkeitdefizit- und Hyperkinetische Störung.
Aber: Nicht jedes temperamentvolle Kind ist
"gestört"!
Es gibt also Kinder:
- die vorwiegend in ihrer Aufmerksamkeit gestört sind ohne extreme motorische Unruhe und Kinder,
- die zur Unaufmerksamkeit zusätzlich eine extreme motorische Unruhe
zeigen.
Wenn Ihr (schulfähiges) Kind also:
- Aufgaben vorzeitig abbricht, Tätigkeiten nicht beendet;
- auffallende Ruhelosigkeit, Lärmen, Wackeln oder Zappeln zeigt;
- vorschnell Gedanken äußert, andere unterbricht, dazwischen
redet, zu heftigen emotionalen Überreaktionen neigt,
dann sollten Eltern professionellen Rat und Hilfe einholen. ADHS kommt
äußerst selten vor, man spricht von 1,5% bis 3%
"Fällen", bezogen auf die Gesamtbevölkerung.
ADHS bedarf unbedingt fachmännischer Diagnostik und Therapie!
ADHS wurde eindeutig festgestellt. Was nun?
Zunächst ist festzustellen:
- ADHS ist eine ernstzunehmende Störung, über deren
Ursache noch keine absolut gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse vorliegen.
- Mit zunehmenden Alter läßt die Überaktivivtät etwas nach,
aber es gibt auch ADHS im Erwachsenenalter.
- ADHS scheint zu einem großen Anteil erblich bedingt zu sein.
- ADHS zieht sehr viele weitere Probleme nach sich (Depressivität, Ängste, Lernstörungen).
- Man ist dieser Störung nicht hilflos ausgeliefert.
Für betroffene Eltern bedeutet dies:
- Das Kind ist nicht schuld an der Störung.
- Die Störung ist nicht auf Erziehungsfehler zurückzuführen.
- Kinder, die diese Symptome zeigen, stellen hohe Anforderungen an
ihre soziale Umwelt. Eltern und Geschwister sollten sich im Umgang mit
dem/der Betroffenen Unterstützung von Fachleuten und erfahrenen Eltern
einholen.
- Dazu gibt es z.B. Elterngruppen.
- Psychotherapie ist erfolgreich bei zusätzlich auftretenden Störungen.
- Ergotherapie, Motopädie sind hilfreiche ergänzende therapeutische Maßnahmen.
- Nur im äußersten Fall sollte man - nach fachärztlicher Beratung
(Kinder und JugendpsychiaterIn) - eine medikamentöse Behandlung erwägen.
- Auch ADHS Kinder haben die Liebe der Eltern nötig!
Wo können Sie Hilfe bekommen?
- selbstverständlich bei allen Erziehungs- und Familienberatungsstellen im Bezirk.
- Bei vielen spezialisierten privaten Einrichtungen z. B. Compass
- Im Internet z.B. unter: www.lebenshilfe-berlin.de oder www.hypies.de
Wie bei allen medikamentösen Behandlungen ist auch bei ADHS Vorsicht
und Zurückhaltung geboten. Das am meisten verwendete Medikament ist
Ritalin, oft leichtfertig als Wunderdroge gepriesen. Die Wirkung ist bei
Kindern unbestritten. Langfristige, schädliche Nebenwirkungen sind noch
völlig unerforscht und lassen sich nur vermuten.
Dazu eine Stimme aus der Wissenschaft:
"Fast jeder Kinder- oder Hausarzt kann (in Deutschland) ein
Ritalin-Rezept ausstellen, obwohl das Medikament zu den Betäubungsmitteln
zählt und nur von qualifizierten Kinder- und Jugendlichenpsychiatern
verordnet werden sollte. Wir brauchen strengere Kontrollen wie etwa in
Schweden. Dort dürfen nur wenige, ausgewählte Ärzte Ritalin im
Rahmen eines detaiierten Behandlungsplan verschreiben." G. Rüther,
Neurologe, im "Spiegel", 11/2002.
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