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Scheidung - Kleine Kinder leiden am meisten

Scheidung

Kleine Kinder leiden am meisten

Scheidung, ein Prozess mit unterschiedlichen Folgen für Kinder

Während eine Scheidung für die Erwachsenen immer die Chance für einen Neubeginn beinhaltet, erleben nur wenige Kinder die Trennung der Eltern als Erleichterung. Der Ablauf der Scheidung gestaltet sich für Kinder äussert schmerzhaft und bleibt ihnen lange in Erinnerung.

  • Vor der eigentlichen Scheidung
    befinden sich die Kinder in einer Situation der Verunsicherung, weil ihnen niemand erklärt, worum es eigentlich geht bei den gegenseitigen Vorwürfen, den wiederholten Streitereien der Eltern oder den halblauten Auseinandersetzungen hinter verschlossenen Türen. Ihre Bedürfnisse werden von den Eltern wenig wahrgenommen und sie werden ihnen nur selten gerecht.

  • Zu Beginn der Scheidung (Gang zum Anwalt)
    werden die Kinder vernachlässigt, sie werden zum "Zankapfel" im Kampf der Eltern (Sorge- u. Unterhaltsrecht), wobei es diesen vorwiegend um die Festigung der eigenen Machtposition geht.

  • Nach der Scheidung
    die erst mit der "emotionalen Scheidung" der Partner endet - also häufig sehr spät, wovon insbesondere die Kinder betroffen sind - müssen zusätzlich zum Scheidungsschock noch die veränderte Wohnsituation der getrennt lebenden Eltern, oftmals neue Stiefeltern und Stiefgeschwister und die materielle Verschlechterung alleinerziehender Elternteile mitbewältigt werden.

    Die Hauptbelastung der Kinder ist somit nicht die Scheidung an sich, sondern die Konflikte der Eltern und der Verlust eines Elternteils. Kinder erleben eine Scheidung immer als Zusammenbruch der Familie und reagieren auf diese Trennung mit unterschiedlich auffälligen Reaktionen.

Klein- und Vorschulalter (2 bis 6 Jahre)

Die Kinder haben vor allem Angst, im Stich gelassen zu werden. Wegen ihrer Abhängigkeit, ihrer Ängste, ihrem begrenzten Verständnis für familiäre Veränderungen und ihrer Unfähigkeit sich selbst zu trösten, reagieren Kinder im Vorschulalter am heftigsten:
auffällige Rückschritte in der Sauberkeitserziehung, verstärkte Irritiertheit, Weinen, akute Trennungsängste, gesteigerte Aggressivität und Trotz aber auch Angst vor Aggressionen der Erwachsenen. Ältere Vorschulkinder (5 bis 6 Jahre) äussern stärker ihre Gefühle der Trauer und Wünsche nach Rückkehr des Vaters. Aber in dieser Altersgruppe gibt es grosse Unterschiede in den Reaktionen, manche scheinen in keiner Weise von den Ereignissen beeinträchtigt (erst Jahre später!).

Erste Schuljahre (7 u. 8 Jahre)

Kinder dieser "Altersgruppe" entwickeln starke Gefühle des Verlustes und fühlen sich zurückgewiesen. Sie weinen und sind launisch, fühlen sich innerlich leer und können sich schlecht konzentrieren. Bei ca. 50% kommt es vorübergehend zu einem Abfallen der schulischen Leistungen. Da die Kinder in diesem Alter die Scheidung als Kampf empfinden, fühlen sie sich zur Parteinahme verpflichtet, was Loyalitätskonflikte zur Folge hat.

Spätere Schuljahre (9 bis 12 Jahre)

In diesem Alter zeigt sich oft Wut auf die Eltern, aber die Kinder machen sich auch Sorgen. Sie scheinen nach aussen hin mutiger, aktiver und gelassener. Es entstehen aber oft Überforderungen, die sich nicht selten in körperlichen Beschwerden wie Bauch- und Kopfschmerzen niederschlagen.

Jugendliche (13 bis 18 Jahre)

Sie erleben ihre Eltern eher als unabhängige Persönlichkeiten und können ihre Beziehung von denen der Eltern trennen. Aber auch sie drücken deutlich Zorn und Trauer aus sowie ebenso ihre Schmerz- und Schamgefühle. Sie können sich verlassen und betrogen fühlen und Ängste äussern, die Fehler der Eltern zu wiederholen.

Was hilft Scheidungskindern, sich gut weiterzuentwickeln?

Diese Frage lässt sich meist nur im Einzelfall klären, allgemein hilfreich sind:

  • altersentsprechende Erklärungen, wenn möglich von beiden Eltern gemeinsam.
  • die Versicherung der Eltern, dass ihre Kinder nicht für die Trennung verantwortlich sind - die ist Sache der Eltern!
  • klare Generationsgrenzen und Klärung der Beziehung zwischen dem ehemaligen Paar.
  • und vor allem Raum und Zeit zum Verarbeiten der Gefühle.

Weitere Hilfestellungen für Scheidungsfamilien

bieten auch unsere Erziehungs- und Familienberatungsstellen an, in Form von Einzel-, Paar- und Elternberatungen bis zu speziellen Gruppenangeboten für alleinerziehende Eltern sowie für Trennungs- und Scheidungskinder.


Erziehungs- und Familienberatung BA Friedrichshain-Kreuzberg
Mail: efb@ba-fk.verwalt-berlin.de


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